Rhône

Château La Nerthe, Châteauneuf-du-Pape

Zu Zeiten der französischen Revolution zählte Château La Nerthe zu den renommiertesten Erzeugern des Rhônetals, und im 19. Jahrhundert erlangte es einen geradezu ikonenhaften Ruf. Durch den Ausbruch der Reblausseuche um 1880, die auch weite Flächen der Weinberge in Châteauneuf heimsuchte, wurde diese erfolgreiche Epoche indes jäh unterbrochen. Bald darauf fiel das Gut in eine lange währende Agonie, die erst in den 1980er Jahren durch das beherzte Engagement der Pariser Familie Richard beendet wurde. Heute zählt Château La Nerthe wieder zu den Weingütern von Rang.

Umgeben von sanft ansteigenden Weinbergen liegt das Weingut Château La Nerthe in einem idyllischen Park mit Zedern- und Eichenbäumen sowie uralten Platanen. Jean-Dominique de Tulle de Villefranche, dessen Vorfahren das Anwesen namens Beauvenir im Jahr 1560 für damals stattliche siebenhundert Gold-Ecu gekauft hatten, ließ das Château in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach den Plänen des Architekten Jean-Baptiste Franque erbauen. Mehr als dreihundert Jahre blieb das einige Kilometer südwestlich von Châteauneuf gelegene Landgut im Besitz der Familie de Tulle.

Ende des 18. Jahrhunderts war Château La Nerthe eines der ersten Weingüter im Rhônetal, die ihren Wein auf Flaschen abfüllten und sogar bis nach Amerika exportierten. Wie selbstverständlich stand La Nerthe später auf der Liste der fünfundvierzig Weingüter, die sich „Kaiserlicher Hoflieferant“ nennen durften. In seinem 1870 erschienenen „Grand Dictionnaire de Cuisine“ zählt Alexandre Dumas der Ältere La Nerthe zu den sechzig besten Weinen des Landes, und auch der provenzalische Heimatdichter und Literaturnobelpreisträger Frédéric Mistral sang das hohe Lied auf den Wein, der „im Glas vibriert und lächelt“. Er sei „königlich, kaiserlich, päpstlich!“ Als Joseph Ducos das Gut im Jahr 1869 vom Grafen de Malessy kaufte, war die Blütezeit von La Nerthe fast schon vorbei. Die sich ausbreitende Reblausplage hatte auch die Weinberge von Châteauneuf erreicht: Im Jahr 1866 waren bereits siebenhundert Hektar betroffen, zweihundert weitere kamen 1880 dazu. Ducos, den man aufgrund seiner vorherigen Militärzeit respektvoll „le commandant“ nannte, kämpfte unverdrossen gegen diese Naturkatastrophe; er war der erste Winzer der Region, der seine Weinberge mit amerikanischen Pfropfreben bepflanzte, die der Reblaus widerstanden. Daneben war Joseph Ducos langjähriger Bürgermeister von Châteauneuf und eine Legislaturperiode lang auch Abgeordneter im Regionalparlament des Departements Vaucluse. Es war maßgeblich seiner Initiative zu verdanken, dass Châteauneuf-Calcernier 1893 in Châteauneuf-du-Pape umbenannt wurde, was dem Absatz des Weins sehr zuträglich war. Nach dem Tod des Kommandanten im Jahr 1910 wurde es ruhiger um La Nerthe. Ducos’ Tochter führte das Weingut mit wenig Fortüne fort, konnte es am Ende aber nicht halten. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wechselte Château La Nerthe mehrfach die Besitzer. Das führte dazu, dass die Weine des Gutes meist anonym im Fass verkauft wurden und das Weingut quasi von der Bildfläche verschwand. Im zweiten Weltkrieg quartierte sich im Jahr 1943 der Generalstab der deutschen Luftwaffe in dem wunderschön gelegenen Anwesen ein. Als britische Kampfflieger das Gut im August 1944 bombardierten, wurden alle Nebengebäude zerstört, das Schloss selbst blieb aber wie durch ein Wunder unversehrt. Nach dem Kauf durch eine Investorengruppe, bestehend aus dem Pariser Kaffee-Grossisten Richard und den Weinhändlern David & Foilard aus dem benachbarten Sorgue, im Jahr 1985 fanden die neuen Eigentümer in den Kellern noch militärische Gerätschaften aus Kriegszeiten vor. Fünf Jahre später übernahm die Familie Richard auch die Anteile ihrer Partner und wurde damit zum Alleineigentümer von La Nerthe. Daneben besitzen die Richards heute übrigens noch fünf weitere Weingüter im Beaujolais und im Bordelais.

Gleich nach der Übernahme hatten die neuen Gutsherren damit begonnen, viele Millionen Francs in die Restauration des Schlosses zu stecken. Über dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Keller errichteten sie einen komplett neuen und erweiterten die Rebfläche im Lauf der Jahre auf stattliche zweiundneunzig Hektar. Die Leitung des Weinguts übertrugen sie Alain Dugas, der zuvor schon auf Château La Renjarde sein Können bewiesen hatte. Um die Qualität der Weine nachhaltig zu steigern, lag eine seiner wichtigsten Entscheidungen darin, den Ertrag drastisch zu reduzieren auf maximal fünfundzwanzig Hektoliter je Hektar, was in etwa einer Flasche pro Rebstock entsprach. Der umsichtige Weingutsmanager schöpfte das Qualitätspotential des Gutes endlich wieder aus und war so maßgeblich für die Renaissance von Château La Nerthe verantwortlich. Als er die Leitung im Jahr 2008 an seinen Nachfolger übergab, zählte Château La Nerthe wieder zu den ersten Adressen in Châteauneuf-du-Pape. Christian Voeux, dessen Familie im zwanzig Kilometer entfernten Séguret ein zehneinhalb Hektar großes Weingut betreibt, war zuvor fünfundzwanzig Jahre auf Château Mont-Redon tätig gewesen, das ebenfalls zu den großen Weingütern der Appellation zählt.

„Unsere Reben sind im Schnitt vierzig Jahre alt,“ verrät Max Farjon, der Chef de Culture von Château La Nerthe, und verschweigt dabei, dass etliche Stöcke weit mehr als hundert Jahre auf dem Buckel haben. Die ältesten Reben stammen aus dem Jahr 1902 und damit aus der Zeit von Joseph Ducos. In einem Geländewagen verlassen wir das Weingut in Richtung La Crau, anerkanntermaßen eine der besten Lagen von Châteauneuf-du-Pape, wo Château La Nerthe seit 1993 zweiunddreißig Hektar Rebfläche besitzt. Das auf einhundertzwanzig Meter gelegene Hochplateau wird von großen Kieselsteinen dominiert, wie sie für weite Teile des dreitausendzweihundert Hektar umfassenden Anbaugebiets typisch sind. Diese „Galets roulants“ wurden vor Urzeiten durch das Rhônetal aus den Alpen gespült und bilden mit dem Lehmboden eine einzigartige Grundlage für den Weinbau: Die Steine speichern die Wärme des Tages und geben sie in der Nacht an die Reben ab. Größte Besitzer von La Crau sind heute die Domaine du Vieux Lazaret, die Domaine du Vieux Télégraphe und eben Château La Nerthe. Auch der legendäre Henri Bonneau besitzt dort einige Parzellen. Max Farjon weist darauf hin, dass die Weinberge von La Nerthe schon seit 1998 ökologisch bewirtschaftet werden. Hingegen hätten mehrjährige Versuche, auf Biodynamie umzustellen, keine wesentlichen Fortschritte gebracht, weshalb man diesen Weg nicht weiter verfolgte. Er zeigt auf eine Rebanlage, die zum Schutz gegen den kräftigen Mistral mit einem Drahtrahmen verbunden ist. Üblicherweise stehen die meisten Reben in Châteauneuf-du-Pape als buschige Einzelpflanzen in der Landschaft.

Das Jahr über beschäftigt Max Farjon fünfzehn Arbeiter; um die aufwändigen Laubarbeiten in den Weinbergen zu bewältigen, kommen in der Sommersaison fünfzehn Aushilfskräfte hinzu. Während der bis zu drei Wochen dauernden Lese stoßen im Herbst weitere achtzig Helfer zur Mannschaft, von denen zwei Drittel aus der näheren Umgebung stammen und der Rest fließend bulgarisch spricht.

Wir fahren zurück in das Weingut, wo mich eine ausgiebige Verkostung mit Philippe Capelier erwartet. Der seit 1987 auf Château La Nerthe tätige Kellermeister ist ein großer, hagerer Mann, dem man ansieht, dass er in seinem Leben viel Sport getrieben hat. Als er noch Maître de Chai einer Genossenschaft in der Nähe von Carcassone war, lief er regelmäßig Marathon: „Manchmal waren es sogar hundert Kilometer und mehr, heute fahre ich nur noch mit dem Fahrrad!“ In kleinen Notizbüchern, die er stets in seiner Hosentasche hat, trägt er akkurat alle Kellerbewegungen ein und kann so auch noch nach Jahren auf den Tag genau sehen, wann welcher Wein den biologischen Säureabbau vollzogen hat und schließlich abgefüllt wurde. Um die Jahrgänge leichter auseinanderhalten zu können, nimmt er für jedes Jahr ein andersfarbiges Büchlein.

Wir beginnen die Probe mit den beiden Weißweinen des Hauses, dem klassischen weißen Châteauneuf-du-Pape und der Prestige-Cuvée Clos de Beauvenir, die den ursprünglichen Namen des Anwesens trägt. Beide Weine werden aus den vier Traubensorten Grenache, Bourboulenc, Clairette und Roussanne komponiert, wenn auch in deutlich unterschiedlicher Zusammensetzung. Während bei dem klassischen Châteauneuf-du-Pape Grenache und Roussanne den Löwenanteil ausmachen, legt Capelier beim Clos de Beauvenir den Schwerpunkt auf Clairette und Roussanne. Grenache und Bourboulenc zusammen kommen in der Gesamtcuvée nur selten auf zwanzig Prozent, bei den Jahrgängen 2001, 2005, 2006 und 2007 fehlten diese beiden Rebsorten völlig. Der Clos de Beauvenir wird nur in besonders guten Jahrgängen erzeugt, weshalb man etwa 2002 und 2008 darauf verzichtete. Der Beauvenir ist mit meist weniger als dreitausend Flaschen eine echte Rarität gegenüber dem klassischen Châteauneuf des Gutes, von dem etwa die zehnfache Menge abgefüllt wird. Der Preis für die Prestige-Cuvée ist doppelt so hoch wie der des Klassikers; gemessen an seiner herausragenden Qualität kann man ihn dennoch fast als günstig bezeichnen.

Ab Mitte August kontrolliert Philippe Capelier sehr aufmerksam den Reifegrad der Trauben, indem er sie optisch und geschmacklich begutachtet. Um den perfekten Lesezeitpunkt bestimmen zu können untersucht er zusätzlich den Zuckergehalt und damit den potentiellen Alkoholgehalt. „In ein und derselben Traube haben wir schon Reifeunterschiede bis zu vier Volumenprozent feststellen können,“ erinnert er sich. Alle Weißweinparzellen werden deshalb sechs Mal vor der Ernte überprüft. Nach der Lese werden die ganzen Trauben gepresst, nur selten wird ein Drittel der Erntemenge gemaischt, dann aber ohne weitere Standzeit sofort gekeltert. Um die Sedimentierung der Trubstoffe zu begünstigen, wird der Traubensaft bis zu achtundvierzig Stunden bei einer Temperatur von zehn Grad in Edelstahltanks zwischengelagert. Clairette und Roussanne kommen dann größtenteils in Barriques, während die oxidationsanfälligeren Sorten Grenache und Bourboulenc grundsätzlich im Stahltank vergären. „Jede Rebsorte verlangt einen individuellen Hefeansatz“, beantwortet Capelier die Frage, ob er sich bei der Gärung auf die natürlichen Hefen aus dem Weinberg verlassen könne. „Versuche mit Spontangärung haben nur selten funktioniert!“

Bei dem Einsatz neuer Eichenholzfässer ist Philippe Capelier sehr darauf bedacht, die richtige Balance zu finden. Während er den weißen Klassiker zu zwei Dritteln im Stahltank vergärt und neues Holz nur eine untergeordnete Rolle spielt, erfolgt der Ausbau des Clos de Beauvenir vollständig in neuen Barriques, die übrigens alle aus der burgundischen Tonnellerie François Frères stammen. Um dem Wein mehr Stoff und Fülle zu vermitteln, rührt der Kellermeister die Gärhefe in den Fässern einmal pro Woche auf. Kurz vor Weihnachten erfolgt dann der Abstich in Edelstahltanks, wo die Weine weitere drei Monate auf der Feinhefe reifen, bis im März die endgültigen Cuvées zusammengestellt werden.

Zu jedem Jahrgang hat Philippe Capelier einen spontanen Kommentar parat – da muss er gar nicht erst zu seinen Notizheften greifen: „2007 war ein überraschend gutes Jahr, was wir dem Mistral zu verdanken hatten, der während der ganzen Ernte fast täglich blies! 2008 war es deutlich kühler, mit viel Regen während der Ernte, die wir deshalb mehrfach unterbrechen mussten. Trotzdem gab es nur wenig Botrytis! 2009 war ein extrem warmes Jahr, Roussanne und Grenache haben wir schon in der dritten Augustwoche geerntet! Und im Jahr 2010 erfüllte uns die Natur beinahe jeden Wunsch!“

Die Verkostung belegte jedenfalls, dass die Weißweine von Château La Nerthe heute zu den Besten ihrer Appellation zählen, und dass es der Clos de Beauvenir leicht mit den Allerbesten aufnehmen kann. Kleine Fragezeichen stellen sich allenfalls hinsichtlich der Lagerfähigkeit der Weine, die nach zehn bis fünfzehn Jahren ihren Höhepunkt erreichen.

Anders sieht es bei den Rotweinen aus: Insbesondere der Spitzenwein des Hauses, die außergewöhnliche Cuvée des Cadettes, von der rund achttausend Flaschen pro Jahr abgefüllt werden, kann spielend fünfundzwanzig Jahre heranreifen. Doch auch der klassische Châteauneuf-du-Pape rouge hat in guten Jahren alterungsfähige Weine zu bieten, wie der Jahrgang 1990 zeigt. Dies ist für den geschäftlichen Erfolg des Gutes auch deshalb von besonderer Bedeutung, als der rote Klassiker etwa fünfundsiebzig Prozent der Jahresproduktion ausmacht. Auch er kostet etwa halb so viel wie die Cuvée des Cadettes.

Christian Voeux legt sein besonderes Augenmerk darauf, die Haltbarkeit der Weine zu verbessern; nichts geschieht heute mehr nach Schema F. Die handgelesenen roten Trauben werden vor und nach dem Entrappen sorgfältig sortiert und kommen dann zur Vergärung in temperaturgesteuerte Edelstahltanks. Nach dreitägiger Kaltmazeration vollzieht sich die Gärung innerhalb von zwanzig Tagen –  im Unterschied zu den Weißweinen übrigens ausschließlich mit natürlichen Hefen. Um ein optimales Auslaugen der Schalen zu erreichen, wird der Maischehut regelmäßig untergestoßen  und zusätzlich mit jungem Wein aus dem unteren Teil des Tanks überschwallt. Die Anreicherung ist in Châteauneuf-du-Pape übrigens generell verboten, in Ausnahmefällen dürfen auf Antrag kleine Mengen von konzentriertem Traubenmost zugeben werden, was auf La Nerthe zuletzt im Jahr 2008 der Fall war. Die Zugabe von Weinsäure hingegen zählt im Rhônetal zu den üblichen Methoden der Weinbereitung.

Im Unterschied zur Cuvée des Cadettes, die auf den drei Rebsorten Grenache, Mourvèdre und Syrah basiert und vollständig in neuen Eichenfässern ausgebaut wird, kommen bei dem klassischen Rotwein alle dreizehn zugelassenen Rebsorten zum Einsatz. Das Herzstück des Weins bildet die vollmundige Grenache-Traube, die etwa die Hälfte der Cuvée ausmacht, während Syrah und Mourvèdre eine herzhaftere Nebenrolle spielen. Die weißen Traubensorten, die im Weinberg in geringer Zahl im gemischten Satz mit den Roten stehen, werden gemeinsam geerntet und vergoren. Der klassische rote Châteauneuf wird zu gleichen Teilen in neuen und gebrauchten Barriques sowie in großem Holzfässern gelagert. Es gibt noch einen dritten Rotwein, den Granière von La Nerthe, der im wesentlichen von jungen Rebstöcken kommt und rund vierzigtausend Flaschen pro Jahr ergibt. Diese preiswerte Variante wird überwiegend in der Pariser Gastronomie verkauft, kleinere Mengen gehen auch in den Export.

Mit der Einstellung eines Vertriebsleiters Anfang der 1990er Jahre nahm Château La Nerthe die Vermarktung seiner Weine ganz in die eigene Hand. Lange hat sich Georges Bristiel intensiv um den Absatz der Weine im Ausland gekümmert, heute  ist das die Aufgabe seines Sohnes Christophe. Rastlos pendelt er zwischen den Vereinigten Staaten, Japan und Brasilien, um die Fahne von Château La Nerthe hochzuhalten. Obendrein ist seine Erfahrung im Weingut mittlerweile so geschätzt, dass er zusammen mit Christian Voeux und Philippe Capelier zu dem dreiköpfigen Verkosterteam zählt, das die Cuvées der Weine festlegt.

Armin Diel verkostete einundzwanzig Rot- und zwölf Weißweine aus den Jahrgängen 2012 bis 1985 gemeinsam mit Philippe Capellier, dem langjährigen Kellermeister von Château La Nerthe.

2010 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes: Tiefdunkle Farbe mit reichlich Lilareflexen, Veilchen, Lakritze und auch Blaubeere im Duft, dichte Frucht, herzhafte Tannine, saftige Fülle, anklingende Süße, exzellentes Entwicklungspotenzial. Bester Trinkzeitraum  von 2025 bis 2040, 95 Punkte

2009 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes: Geringster Grenacheanteil seit vielen Jahren und mehr Syrah als sonst üblich. Tiefdunkles Rot, fast Schwarz, unerhört komplexes Bukett mit viel Brombeere und Cassis, saftiger Körper, kraftvoll und muskulös. Hat alles, was einen großen Châteauneuf-du-Pape auszeichnet: Fülle, Frische und Eleganz. Bester Trinkzeitraum von 2025 bis 2045, 97 Punkte

2008 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes:  Ein kühles Jahr mit viel Regen während der Ernte. Tiefdunkles Rot mit zarten Lilareflexen, deutliche Vanillenote, recht fein strukturierter Körper, eher schlank und elegant, sehr schöne Frische, feiner Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 93 Punkte

2006 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes: Geringster Syrahanteil der letzten zehn Jahre. Tiefdunkles Rot mit deutlichen Lilareflexen, dunkelrote Früchte im Bukett, viel Vanille, saftiger Körper, seidige Tannine, beste Struktur,  langer Nachhall, großer Wein. Bester Trinkzeitraum bis 2035, 96 Punkte

2005 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes:  Große Hitze sorgte für einen Reifestau der Trauben. Tiefdunkles Rot mit kräftigen Lilareflexen, noch sehr frisches Bukett, Veilchen, Lakritze, Schokolade, Menthol, kräftiger Körper, geradezu muskulöse Spannkraft mit ausgeprägten Tanninen, erfordert Geduld. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2035, 94 Punkte

2001 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes: Das Lesegut war in solch gutem Zustand, dass die Sortierer kaum Arbeit hatten. Tiefdunkles Rubinrort ohne jeden Orangerand, Schwarzkirsche, Brombeere, noch sehr, sehr jung, Veilchen, Lakritze, süßliche Konzentration, viel Spannung, herzhafter Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2030.  95 Punkte

1998 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes: Anstatt der sonst üblichen 10.000 Flaschen gab es fast die dreifache Menge! Tiefdunkles Rot, nur ein zarter Orangerand, duftet nach Schwarzkirsche, Brombeere, Trüffel und Schokolade, bestens eingebundene Tannine, feinsaftige Fruchtfülle, markanter Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 93 Punkte

1992 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes: Sehr nasses Jahr! Mitteltiefes Dunkelrot mit deutlichem Orangerand, duftet nach schwarzen Trüffeln, Haselnusschokolade und Kaffee, zartsüßlicher Nachhall, überraschend gut für das eher schwache Jahr. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 92 Punkte

1988 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge Cuvée des Cadettes Magnum: Beinahe sechzig Prozent Grenache, nur elf Prozent Syrah! Mitteltiefes Rubinrot mit deutlichem Orangerand, Kaffeenote, Leder, Rauch, Kakao, etwas Menthol, herzhafte Tannine am Ende. Bester Trinkzeitraum bis 2020,  90 Punkte

2011 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Tief dunkelrote, fast schwarze Farbe, durchgängige Lilareflexe, reichhaltige Frucht, deutliche Eukalyptusnote, etwas zu viel neues Holz, satte Tannine, erfordert Geduld. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2028, 91 Punkte

2010 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Tiefdunkles Rot mit kräftigen Lilareflexen, verhaltenes Bukett, dunkelrote Früchte, viel Würze, Rösstaromen, muskulöser Körper, seidige Tannine, herzhafter Nachhall. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2030, 92 Punkte

2009 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Tiefdunkles Rot mit durchgängigen Lilareflexen, prächtiges Brombeerbukett, ein Hauch von Schwarzkirsche und Wildkräutern, enorme Fruchtkonzentration, exzellentes Entwicklungspotenzial. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2035, 94 Punkte

2008 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Gut gedecktes Dunkelrot, duftet nach Brombeere und Schwarzkirsche, anklingende Röstnoten, gefällige Frucht, etwas kühle, rauchige Note, kernig wirkende Tannine, feinherber Abklang. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 90 Punkte

2007 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Dunkles Rot mit zarten Lilareflexen, erinnert im Duft an Schwarzkirsche und Blaubeere, enorme Fruchtkonzentration, bestens eingebundene Tannine, viel Würze. Bester Trinkzeitraum bis 2030, 93 Punkte

2006 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Durchgängig dunkelrote Farbe mit Lilareflexen, Anklänge von Veilchen, Lakritze, Schokolade und Kaffee, noch recht verschlossene Frucht, etwas Leder, gute Struktur, langer Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2030, 94 Punkte

2005 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Kräftiges Dunkelrot mit minimalem Orangereflexen, duftet nach Schwarzkirsche und  Brombeere, etwas Pflaume, gute Substanz, kräftige Tannine im Abklang. Bester Trinkzeitraum bis 2030, 92 Punkte

1999 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Ein trockenes und warmes Jahr, das stets im Schatten der berühmten Nachbarjahrgänge 1998 und 2000 stand.Gut gedecktes Rubinrot mit zartem Orangerand, recht verschlossenes Bukett, Teer, Veilchen und Lakritze, gute Substanz, anklingende Fruchtsüße, schöner Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 92 Punkte

1993 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Ein durchweg schwieriger Jahrgang mit viel Regen während der Lese. Gut gedecktes Rubinrot, deutlicher Orangerand, etwas rustikale Note im Duft, Teer, Leder und Lakritze, recht stoffiger Körper, deutlich entwickelte Frucht, passabler Abklang. Sollte alsbald getrunken werden. 88 Punkte

1990 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Gilt als erstklassiger Jahrgang, der aber nicht alle Erwartungen erfüllt. Mitteltiefes Rubinrot mit breitem Orangerand, etwas Mokka, Trüffel, Veilchen und Leder, mittlere Fruchtfülle, ein Hauch von Kastanie und Blaubeere, feinherbe Mentholnote im Abklang. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 91 Punkte

1988 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Von großer Trockenheit geprägter, eher mittelmäßiger Jahrgang. Erster Versuch, den Wein ohne Filtration abzufüllen. Mitteltiefe Farbe mit einem durchgängig bräunlichen Schimmer, Veilchen, Mokka, Datteln und Feige, Kaffee, Karamell, strenger Abklang die Frucht befindet sich in Auflösung. Sollte alsbald getrunken werden. 88 Punkte

1985 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Rouge: Mitteltiefe Farbe mit breitem Orangerand, duftet nach Kastanie und Mokka, deutlich entwickelte Frucht, zarte Süße, nussige Art, strenger Abklang. Sollte alsbald getrunken werden. 86 Punkte

2010 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc Clos de Beauvenir: Gut gedecktes Mittelgelb, duftet nach gelben Früchten, Aprikose, Mirabelle, gut strukturierter Körper, ansprechende Frucht, sehr gelungener Holzeinsatz, feines Säurespiel. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 94 Punkte

2009 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc Clos de Beauvenir: Mitteltiefes Gelb, im Duft vermitteln sich Minze, Lindenblüte, Mango und etwas Zimt, gut strukturierter Körper, eine gehörige Portion Vanille, hat Spannung, zartsüßliche Frucht, belebender Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2024, 92 Punkte

2007 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc Clos de Beauvenir: Mittleres Goldgelb, duftet nach Pfirsich, Mandeln und Vanille, stoffiger Körper, hat zugleich Muskeln und Speck, herzhafter Wein, Holz dominiert denNachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 90 Punkte

1993 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc Clos de Beauvenir: Bernsteingoldene Farbe, duftet nach getrockneten Früchten, Mandeln und Rosinen, leicht wachsige Note, erinnert an eingelegte schwarze Nüsse, kann man sich zu gebratener Gänseleber vorstellen, dann aber alsbald. 88 Punkte

2012 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Mitteltiefes Gelb, im Duft Anklänge von rosa Pampelmuse, Aprikose und Pfirsich, zarte Vanillenote, ausgewogene Frucht, feines Säurespiel, pikanter Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 89 Punkte

2011 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Mitteltiefes Gelb mit zartem Grünschimmer, ein Hauch von Kokosnuss, Mirabelle und Quitte, kräftiger Körper, deutliche Vanillenote, belebendes Säurespiel, etwas Minze und Safran im Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 92 Punkte

2010 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Mittetiefes Gelb mit zarte Grünreflexen, exotische Note im Duft, Ananas, Mango und  Stachelbeere, etwas Birne, deutliche Extraktsüße, bestens balancierte Säure, ein Hauch von Sternanis und Kardamon, kühler Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 91 Punkte

2009 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Goldgelbe Farbe, reichhaltiges Bukett, erinnert an Apfelkompott mit Zimt, deutliche Vanillenote, opulenter Körper, eine Spur Estragon und Liebstöckel, mittlerer Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2008, 90 Punkte

2008 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Goldgelbe Farbe, duftet nach Trockenblumen und eingemachten Reneclauden, recht saftiger Körper, fast eine Spur zu opulent, deutliche Vanillenote im Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2018, 89 Punkte

2002 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Kräftiges Goldgelb, leicht gezehrtes Bukett, Akazienhonig, Holunderblüte, recht ausladender Körper, monolytisch und breit. Sollte alsbald getrunken werden. 87 Punkte

2000 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Kräftiges Goldgelb, duftet nach eingekochtem Obst, Anis, Fenchel und Safran, dezentes Säurespiel, mächtiger Wein, passt ideal zu poelierter Foie Gras. Bester Trinkzeitraum bis 2018, 90 Punkte

1992 Château La Nerthe Châteauneuf-du-Pape Blanc: Tiefes Goldgelb, deutlich entwickeltes Bukett, Akazienblüte, Süßholz und Zimt, feine Botrytisnote, etwas ausladender Geschmack, trocknet die Zunge am Ende. Sollte alsbald getrunken werden. 87 Punkte

Erstabdruck in FINE Das Weinmagazin 4|2013