Bordeaux

Château Ausone, Saint-Emilion

Allen familiären Widrigkeiten zum Trotz hat Alain Vauthier Château Ausone an die Spitze der Appellation Saint-Emilion geführt

Dreiundfünfzig Jahre lang waren Château Ausone und Château Cheval Blanc die ungekrönten Könige der Appellation Saint-Emilion. Über Jahrzehnte hinweg erzielten diese beiden Güter zwar die mit Abstand höchsten Preise ihrer Region, doch war die internationale Weinkritik längst nicht immer damit einverstanden, dass speziell die Weine von Château Ausone diesen Rang auch verdienten. Völlig überraschend stiegen bei der letzten Neufassung des Klassements im Jahr 2012 mit Château Angélus und Château Pavie zwei Neulinge in den Olymp der Appellation auf und bilden seitdem mit den beiden Altstars ein schillerndes Quartett.

Die Auffahrt zu Château Ausone beginnt an einem kleinen Parkplatz südlich des mittelalterlichen, gut zweitausend Einwohner zählenden Städtchens Saint-Emilion. Man muss sich seines Ziels schon ziemlich sicher sein, denn weder ist der Weg ausgeschildert, noch bietet sich auf der engen und steilen Strasse die Möglichkeit zur Umkehr. Ganz oben angekommen biegt man dann links auf einen kleinen Feldweg ein, der zum Hof von Château Ausone führt. Von dort bietet sich einen wundervoller Ausblick auf den für Bordelaiser Verhältnisse sehr steil nach Süd-Südost abfallenden Weinberg des Gutes. Hier versteht man,wieso die windgeschützte Lage selbst in frostigsten Jahren wie 1956 von nennenswerten Schäden verschont blieb, während drumherum alles erfror. Nur beim Frühjahrsfrost von 1991 wurde auch auf Ausone ein Teil der Reben in Mitleidenschaft gezogen. Die sieben Hektar sind traditionell etwa zur Hälfte mit Cabernet Franc und Merlot bepflanzt, wobei der Merlot-Anteil in den letzten Jahren abgenommen hat und zuletzt sogar etwas Cabernet Sauvignon hinzugekommen ist. Inhaber Alain Vauthier begrüßt mich mit einem freundlichen Lächeln und einer süffisanten Anspielung auf meine „typisch deutsche Pünktlichkeit“. Tatsächlich kommt es im Bordelais nicht selten vor, dass man auf die Winzer warten muss, wenn man zum verabredeten Zeitpunkt vor Ort ist. Augenzwinkernd ist dann schon einmal vom „quart d´heure bordelais“ die Rede.

Seit bald zehn Jahren ist Château Ausone eine einzige Baustelle, und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht. Das gilt allerdings nicht für das früher etwas finster wirkende zentrale Gutsgebäude, das sich nun in neuem Glanz präsentiert und so gut wie bezugsfertig ist. „Ein, zwei Antiquitäten-Messen muss ich noch besuchen, um einige Möbelstücke und Bilder zu kaufen“, erläutert Alain Vauthier, „dann kann ich endlich dort wieder einziehen, wo ich meine Jugend verbracht habe“. Seit Jahrzehnten wohnt er auf dem ebenfalls zum Familienbesitz zählenden Château Simard, während sich seine wenig geliebte Tante Hélyette Dubois-Challon in dem Gutsgebäude breitmachte und dort bis zum Jahr 2004 lebte. Doch dazu kommen wir später.

Der Name des Weinguts geht zurück auf Decimus Magnus Ausonius, der im 4. Jahrhundert nach Christus in Lucaniac, dem späteren Saint-Emilion, lebte und dort vierzig Hektar Weinberge besessen haben soll. Ob der Standort von Château Ausone mit den damaligen Latifundien des gallo-römischen Staatsbeamten und Poeten tatsächlich etwas zu tun hat, ist bis zum heutigen Tag Gegenstand vielfältiger Spekulationen. Aber auch so ist das Gebäudeensemble von Ausone mit der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kapelle La Madeleine und den langen, in den Kalksandstein gegrabenen Kellerstollen ein historisches Schmuckstück.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte das Weingut der Familie Lafargue, die allerdings kinderlos blieb. So gelangte Château Ausone in den Besitz von Suzanne Challon, einer Nichte der Lafargues, die mit Edouard Dubois einen tüchtigen Winzer heiratete. In den schwierigen Jahren nach der Reblauskatastrophe gelang es den beiden nicht nur, das Anwesen von Ausone zu restaurieren, sondern auch noch zwei weitere Weingüter hinzuzukaufen: Im Jahr 1916 das unmittelbar benachbarte Château Bélair und vier Jahre später Château Moulin Saint-Georges auf dem gegenüberliegenden Hügel. Nur wenige Monate danach verstarb Edouard Dubois; Suzanne Dubois-Challon führte die Weingüter fort.

Als sie im Jahr 1953 verstarb, hinterließ sie den Familienbesitz zu gleichen Teilen ihren beiden Kinder Jean und Cécile. Jean, der mit besagter Hélyette verheiratet war und dessen Ehe kinderlos blieb, lebte zunächst auf Château Bélair. Aus der Ehe zwischen Cécile Dubois und Octave Ismaël Vauthier ging 1923 der Sohn Marcel hervor, der in den späten 1940er Jahren die Winzerstochter Micheline Mazière heiratete. Sie brachte drei Kinder zur Welt, Lize-Marie, Cathérine und im Jahr 1950 Alain. „Mein Vater war ein Riesensportsmann, ein glänzender Tennisspieler und auch ein hervorragender Reiter“, erinnert sich Alain Vauthier. „Auch geschäftlich war er durchaus interessiert, aber nicht sehr präsent. Er gab regelmäßig seine Anweisungen, bevor er nach Bordeaux oder Cap Ferret verschwand, um sich mit seinen Freundinnen zu vergnügen.“ Von 1970 bis 1988 war Vater Marcel, der heute einundneunzigjährig in Lussac lebt, auch noch Bürgermeister von Saint-Emilion.

Da seine Schwester Lize-Marie im Jahr 1995 kinderlos starb, fiel es Alain Vauthier zusammen mit der jüngeren Schwester Cathérine zu, das Erbe auf Château Ausone anzutreten, was ihn mit seiner Tante Hélyette zusammenführte, die seit dem Tod ihres Mannes Jean im Jahr 1974 die Interessen der Dubois-Challons wahrnahm. Da hatte sich einiges an Arbeit aufgetürmt, denn trotz der historischen Reputation und des unstreitigen Potentials der Weinberge von Château Ausone war die Qualität der Weine seit den 1940er Jahren nur noch selten auf dem Niveau solch hervorragender Jahrgänge wie beispielsweise 1961 und 1964. Robert Parker etwa beschrieb die Weine ungeschminkt als dünn und müde.

Im Jahr  1975 stellte Hélyette Dubois-Challon den jungen Önologen Pascal Delbeck als Kellermeister für Château Bélair ein, dem sie es zwei Jahre später sogar zur Pacht überließ. Auf Geheiß seiner Chefin tauchte Delbeck im Lauf der nächsten Jahre immer wieder auch auf Château Ausone auf, um nach dem Rechten zu sehen. Der qualitative Wendepunkt kam mit dem Jahrgang 1976, der von Robert Parker – zusammen mit dem Wein von Château Lafite-Rothschild – als der allerbeste Bordeauxwein des Jahres gelobt wurde. Seitdem zeichnen sich die Weine von Ausone wieder durch eine deutlich kräftigere Farbe und eine viel bessere Fruchtstruktur aus. An der positiven Entwicklung hatte Pascal Delbeck ganz gewiss seinen Anteil; er war es auch, der mich bei meinem ersten Besuch auf Château Ausone im Frühjahr 1981 empfing und mir die äußerst wohlschmeckenden Weine präsentierte. Alain Vauthier ist jedoch fest davon überzeugt, dass die Renaissance von Château Ausone in weitaus größerem Maße der Expertise von Jean-Claude Berrouet zu verdanken ist. Der erfahrene Önologe, im Hauptberuf immerhin Kellermeister auf Château Petrus, war damals freundschaftlicher Berater der Mannschaft von Château Ausone.

Ungeachtet des Erfolgs kam es auch in den Folgejahren immer wieder zu heftigen Meinungsverschiedenheiten zwischen Hélyette Dubois-Challon und Alain Vauthier, die am Ende in gerichtliche Auseinandersetzungen mündeten. Die Wertschätzung der Tante hinsichtlich des wirtschaftlichen Talents ihres Neffen hielt sich in Grenzen, „am liebsten hätte sie mich ganz hinausgeekelt“, erinnert sich Alain Vauthier. Doch dann wurde ihm überraschenderweise im Jahr 1995 per Gericht das alleinige Vertretungsrecht für Château Ausone als dessen Verwalter zugesprochen, was der Tante natürlich überhaupt nicht schmeckte. Immerhin wurde ihr ein lebenslanges Wohnrecht auf dem Schloss zugebilligt.

Schon 1992 hatte sich Vauthier gegen den Willen der Tante der Beratung des bekannten Önologen Michel Rolland vergewissert und weiter an der Qualitätsschraube gedreht. Eine wichtige Entscheidung war unter anderem die Einführung eines Zweitweins, um für den Grand Vin von Château Ausone nur die allerbesten Fässer zu reservieren. Ganz so, wie es seit geraumer Zeit in allen namhaften Weingüter des Bordelais üblich war. La Chapelle d’Ausone, erstmals vom Jahrgang 1995 abgefüllt, repräsentiert in normalen Jahren etwa ein Drittel des Gesamtertrags, der sich auf maximal zwanzigtausend Flaschen beläuft. Früher wanderte auch schon mal die Hälfte der Ernte in den Zweitwein, der in aller Regel auch den Ertrag der jungen Cabernet-Sauvignon-Reben aufnimmt. Was ausnahmsweise nicht einmal für den Zweitwein taugt, wird namenlos im Fass verkauft. Ganz allgemein haben die Weine von Château Ausone in den letzten zwanzig Jahren ein nie gekanntes Niveau erreicht. Sie zählen heute zu den strahlenden Ikonen des Bordelais und erzielen inzwischen Preise, die allenfalls noch von Petrus oder Le Pin übertroffen werden.

Die Trauben werden auf Ausone selbstverständlich von Hand gelesen und bereits im Weinberg zum ersten Mal sortiert, bevor sie im Kelterhaus eine erneute Kontrolle erfahren. Die alkoholische Gärung erfolgt in offenen Eichenbottichen, die alle sieben bis acht Jahre ausgetauscht werden. Nach dem Abzug in die Barriques, die jährlich zu achtzig bis neunzig Prozent erneuert werden, erfolgen insgesamt fünf Abstiche, um den Wein zu belüften und ihn vom Depot zu befreien. Im Normalfall wird der Wein auf Château Ausone nicht filtriert.

Höhepunkt der Misshelligkeiten zwischen Tante und Neffe war damals übrigens die Tatsache, dass Hélyette Dubois-Challon Ende der neunziger Jahre ihre Hälfte an Château Ausone dem Unternehmer François Pinault zum Kauf angeboten und mit ihm bereits einen Vorvertrag unterzeichnet hatte. Da Alain Vauthier ein notariell eingetragenes Vorkaufsrecht besaß, stellte sich für ihn die schicksalsschwere Frage, ob er hiervon Gebrauch machen sollte und die im Raum stehenden fünfundfünfzig Millionen Francs an seine Tante zahlen könnte, was in etwa achteinhalb Millionen Euro entspricht. Die Alternative wäre gewesen, sich auf eine riskante Partnerschaft mit dem schwerreichen Unternehmer einzulassen, dem damals schon Château Latour in Pauillac gehörte und der heute sowohl Eigentümer der Domaine d’Eugénie in Burgund als auch von Château Grillet im Rhônetal ist. Obschon ihm das finanziell gewiss nicht leicht gefallen ist, entschied sich Vauthier für die Selbständigkeit; seither ist er Eigentümer von Château Ausone, zusammen mit seiner Schwester Cathérine, die heute in Saint-Emilion lebt. Und seiner Mutter Micheline gehören noch immer exakt 6,25 Prozent der Anteile.

Als Hélyette Dubois-Challon 2004 verstarb, setzte sie ihren treuen Paladin Pascal Delbeck als Universalerben ein, wodurch Château Bélair in seinen Besitz kam. Als er das Gut wenige Jahre danach verkaufen wollte, klopfte er zuerst bei Christian Moueix in Libourne an, dessen Handelshaus Jean-Pierre Moueix seit Jahrzehnten die Exklusiv-Vertriebsrechte für Château Bélair besaß. Man wurde sich schnell einig. Da Moueix auch schon Besitzer des benachbarten Château Magdelaine war, beschloss er, beide Güter unter einem neuen Namen zusammenzulegen; Château Bélair-Monange wird in der neuesten Klassifikation von 2012 in der Kategorie Premier Grand Cru Classé B geführt.

Apropos Klassifikation: Analog zu der historischen Einteilung der besten Weingüter auf der linken Garonne-Seite aus dem Jahr 1855 kam es in Saint-Emilion hundert Jahre danach zu einem ähnlichen Klassement, das 1955 veröffentlicht und vier Jahre später mit kleinen Änderungen verabschiedet wurde. Zwölf Châteaus wurden damals in die höchste Kategorie als Premier Grand Cru Classé eingestuft, von denen zehn der Status „B“ zuerkannt wurde, zwei jedoch – Château Ausone und Château Cheval Blanc – mit einem „A“ geadelt wurden. Im Unterschied zum Médoc beschlossen die Weingewaltigen in Saint-Emilion, ihr Klassement alle zehn Jahre zu überarbeiten, verbunden mit dem löblichen Vorsatz, qualitativen Entwicklungen durch Auf- und Abstufungen Rechnung zu tragen. Seit der letzten Neufassung von 2012 stiegen auch Château Angélus und Château Pavie in den Olymp der Appellation.

Dazu mag sich Alain Vauthier am liebsten nicht äußern. Erst auf Nachfrage weist er kryptisch darauf hin, dass die ursprüngliche Klassifikation auf einer Erfahrung von fünfzig Jahren beruhte und das Terroir heute offenbar keine Rolle mehr spiele.

Seit einigen Jahren erfährt Alain Vauthier wertvolle Unterstützung durch seine tüchtige Tochter Pauline. Nach einem Weinbaustudium in Bordeaux und anschließendem Praktikum in Südafrika kam sie 2005 zurück. In Abstimmung mit den jeweiligen Kellermeistern und Weinbergschefs hat sie sich die Position einer technischen Direktorin der Vauthier-Güter erarbeitet. Dazu zählen neben Château Ausone noch vier weitere Betriebe: Château Simard kam 1954 ebenso hinzu wie Château Haut-Simard, die zusammen fünfundvierzig Hektar umfassen und nur durch eine Eisenbahntrasse voneinander getrennt sind. Beide liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stephan Neippergs Château Canon La Gaffelière in der sandigen Ebene südlich von Saint-Emilion. Noch etwas weiter unten, unweit von Château Monbousquet, befinden sich die sechzehn Hektar von Château Fonbel. Wie auf den beiden Simard-Gütern dominiert zwar auch hier der Merlot, doch Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Carmenère fallen völlig aus dem für Saint-Emilion üblichen Sortiment. Die sieben Hektar von Moulin Saint-Georges auf der gegenüber von Ausone liegenden Hügelkette in unmittelbarer Nähe zu Château Pavie Macquin sind zu achtzig Prozent mit Merlot und zu zwanzig Prozent mit Cabernet Franc bepflanzt.

Offiziell ist zwar noch nichts entschieden, doch Pauline wächst Stück für Stück in die Rolle der Gutsnachfolgerin. Ihre beiden jüngeren Schwestern sind insofern aus dem Rennen, als sie sich für andere Berufe entschieden haben: Anne-Charlotte arbeitet in der Marketingbranche in Paris, und Constance ist Tierärztin in einer auf Pferde spezialisierten Tierklinik in Pau, wo Vater Alain einst seinen Militärdienst als Fallschirmspringer absolvierte. Bleibt als ernsthafter Anwärter nur noch der dreiundzwanzigjährige Bruder Edouard, der nach dem Besuch einer Wirtschaftsschule in Bordeaux ein halbes Jahr bei dem amerikanischen Importeur von Chateau Simard in New York hospitierte und nun in London arbeitet. „Er ist ein cooler Typ, der einen guten Charakter und viele Freunde hat”, schildert Alain Vauthier seinen Filius.

Alain Vauthier schwebt heute gewissermaßen als Aufsichtsratsvorsitzender über seinem Imperium, kümmert sich um die Finanzen sowie um die Beziehungen zu den Courtiers und den Journalisten. Eine Zeitlang hatte er einen kleinen Flieger im Aeroclub von Liborne stehen, fand aber nur wenig Zeit, um dieses Hobby ernsthaft zu betreiben. Nachdem er beim Fliegen zwei Mal richtig Angst bekommen hatte, hörte er damit auf. Stattdessen ist er auch heute noch leidenschaftlicher Segler. „Motorboote finde ich langweilig, aber auf einem Segelboot hat man immer etwas zu tun.“ Ins Schmunzeln gerät der Gourmet Alain, wenn er auf den alten Starkoch Paul Bocuse und seine drei Frauen zu sprechen kommt. Dann strahlen die stahlblauen Augen hinter der braunen Hornbrille, und man fragt sich, was er wohl damit meint, dass seine Frau Marylène mit ihm nicht sehr zufrieden sei.

Armin Diel verkostet fünfzehn Weine von Château Ausone aus den Jahrgängen 1998 bis 2013

2013 Chateau Ausone: Ein äußerst komplizierter Jahrgang, der ohne die moderne Technik von heute eine Katastrophe gewesen wäre. Es wird nur neuntausend Flaschen Château Ausone geben. Kräftige Farbe mit durchgängigen Lilareflexen; überraschende Fruchtfülle, Kirsche und Brombeere, feingliedriger Wein mit dezentem Säurespiel, mittlere Tiefe, belebende Tannine, würziger Nachhall.  Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2030, 93 Punkte

2012 Château Ausone: Eigentlich kein schwacher Jahrgang, doch nach den opulenten Vorjahren hatte er es schwer, Beachtung zu finden. Wurde en primeur zu teuer angeboten! Tiefdunkle Farbe mit breitem Lilarand; saftiger Schwarzkirschduft, etwas Himbeere und Sandelholz; anklingende Fruchtsüße, mittlere Tiefe, gut eingebundene Tannine, dezenter Nachhall. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2030, 94 Punkte

2010 Château Ausone: Die Natur schenkte den Winzern einen weiteren „Grand Millésime“, was Menge und Qualität anbelangt. Fast jeder machte einen sehr guten Wein. Tiefdunkles, undurchsichtiges Rot mit viel Lilatönung; geradezu exotisch anmutende Noten von Tabak, Cassis und Feige; enorme Fruchtdichte, erinnert an vollreife Schwarzkirschen, opulent und fein zugleich, ein weiterer Ausnahmewein! Bester Trinkzeitraum von 2025 bis 2050, 99 Punkte

2009 Château Ausone: Das Urteil der Bordelaiser Fachleute über diesen außergewöhnlichen Jahrgang war so einhellig wie selten. Eine verzögerte malolaktische Gärung führte dazu, dass der Wein von Château Ausone anfangs zu unrecht weniger enthusiastisch bewertet wurde. Tiefdunkles, fast ins Schwarze changierendes Rot mit kräftiger Lilafärbung; überaus komplexes Bukett, Haselnussschokolade, Schwarzkirsche, ein Hauch von Nougat, perfekt eingebundenes Eichenholz; Fülle und Eleganz ergänzen sich prächtig, pfeffrig anmutende Fruchtsüße, enormer Nachhall, grandioser Wein! Bester Trinkzeitzeitraum von 2025 bis 2050, 100 Punkte

2008 Château Ausone: Eine recht späte Lese erbrachte eine normale Erntemenge und Weine, die oft eine Spur fülliger als im Vorjahr ausfielen. Tiefdunkles Rot mit deutlichen Lilareflexen; feine Duftstruktur, erneut Anklänge von Zedernholz, aber auch Preiselbeere und Brombeere; alles auf Finesse gebürstet, feinherbe Frucht, würzige Tannine, elegante Fülle, eleganter Nachhall. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2030, 94 Punkte

2007 Château Ausone: Ein kühler Sommer ermöglichte am Ende angenehm trinkbare Weine, die nach den beiden mächtigen Vorjahren eine willkommene Abwechslung darstellten. Erstmals kam auf Château Ausone eine neue Flasche mit Glasprägung zum Einsatz. Kräftiges Dunkelrot ohne jeden Orangerand; würziges Bukett mit Anklängen von  Haselnussschokolade, Zedernholz und Wildleder, etwas Veilchen; bereits geöffnete Frucht, fein gewirkte Tanninstruktur, ansprechender Wein. Bester Trinkzeitraum von 2018 bis 2028, 93 Punkte

2006 Château Ausone: Alles war für einen weiteren Superjahrgang gerichtet, doch dann regnete es unmittelbar vor der Lese gleich kübelweise, am 17. September waren es allein einhundertzwanzig Liter pro Quadratmeter! Mit enormem Aufwand wurde am Ende daraus ein sehr, sehr guter Wein.  Durchgängiges Dunkelrot mit Lilareflexen; zunächst etwas verschlossen wirkendes Bukett, Anflüge von Schwarzkirsche, Brombeere und Sandelholz; die feste Tanninstruktur verbindet sich vorzüglich mit einer animierenden Fruchtsüße, konzentrierter Körper, üppiger Nachhall. Bester Trinkzeitraum von 2020 bis 2045, 97 Punkte

2005 Château Ausone: Ein perfektes Jahr, wie man es nur selten in einem Winzerleben antrifft. Ideale Witterungsverhältnisse während der gesamten Vegetationsperiode ermöglichten Weine von außergewöhnlicher Eleganz und Fülle. Viele Châteaus erzeugten die besten Weine ihrer Geschichte. Tiefdunkles, beinahe blickdichtes Rot mit deutlichen Lilareflexen; opulenter Duft von reifen Schwarzkirschen, Cassis und Brombeere; elegante Fruchtfülle, vollständig eingewobene Tannine, großartiger Nachhall. Bester Trinkzeitpunkt von 2025 bis 2050, 100 Punkte

2004 Château Ausone: Leichter Hagelschlag im April und ein durchwachsener Sommer dämpften die Aussichten auf einen guten Jahrgang. Frühreifende Terroirs wie etwa das von Château Cheval Blanc hatten zunächst Vorteile. Durchgängig gut gedecktes Rubinrot fast ohne jeden Gelbrand; ansprechender Vanilleduft, hinterlegt von roter Kirsche, Rose und Wacholderbeere; fein strukturierter Körper, maßvolle Tannine, recht ausgewogen, mittlerer Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 93 Punkte

2003 Château Ausone: Es war das Jahr der großen Trockenheit und Hitze, worunter viele Weine zu leiden hatten. Das besondere Terroir von Château Ausone bewahrte dem Wein zunächst eine erstaunliche Frische. Gut gedecktes Rubinrot mit zarten Orangereflexen; etwas verschlossen wirkendes Bukett mit Anklängen von Banane und Feige; die leicht süßliche Frucht wird überlagert durch malzig wirkende Tannine, die den positiven Gesamteindruck etwas schmälern. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 94 Punkte

2002 Château Ausone: Ein Jahrgang mit eher leichten Weinen, die von Anfang an nur wenig Reputation hatten. Eine schöne Spätsommerperiode mit kühlen Nächten bewahrte den Trauben ansprechende Fruchtaromen. Gut gedecktes Rubinrot mit deutlichen Orangereflexen; recht geöffnetes, feinfruchtiges Bukett, erinnert an Kirsche, Vanille und Gewürznelke; angenehme Frucht, mittlerer Tiefgang, gut eingebundene Tannine, passabler Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2020, 93 Punkte

2001 Château Ausone: Ein feuchtes und warmes Frühjahr verlangte den Winzern bis zur Rebblüte einen beherzten Kampf gegen Mehltau ab. Einem schönen Sommer folgte dann eine problemlose Lese. Gut gedecktes Rubinrot mit zarten Orangereflexen; im Duft leicht gezehrte Fruchtnoten, die an Veilchen, Pflaume und Süßholz erinnern; der ansprechende Körper wird noch immer durch herzhafte Tannine konterkariert, kräftige Säure, mittleres Reifepotential. Bester Trinkzeitraum bis 2022, 94 Punkte

2000 Château Ausone: Ein Jahrgang wie aus dem Bilderbuch: Schönes Wetter während der gesamten Vegetationsperiode ermöglichte am Ende eine ruhige Lese mit großer Erntemenge. Gut gedecktes Rubinrot mit zarten Orangereflexen; edler Duft von Brombeere, Schwarzkirsche und Veilchen; kompakte Fruchtfülle; die einst zupackenden Tannine haben sich im Lauf der Jahre bestens gerundet, reich und elegant zugleich; zeigt eine nahezu perfekte Balance; seidig anmutender, eleganter Nachhall. Bester Trinkzeitpunkt von 2020 bis 2035, 98 Punkte

1999 Château Ausone: Ein guter bis sehr guter Jahrgang erbrachte bei großer Erntemenge frühreife Weine. Die wenigen Parzellen von Ausone, die durch einen Hagelschlag am 10. September in Mitleidenschaft gezogen wurden, mussten früher gelesen werden. Mitteltiefes Rubinrot mit dezentem Orangerand; duftet nach Trockenobst, ein Hauch von Pflaume und Feige; schon recht weit entwickelt, mittlere Fruchttiefe, sanfte Tannine, ausgewogener Körper, schmelziger Nachhall. Bester Trinkzeitraum bis 2025, 94 Punkte

1998 Château Ausone: Gilt in Saint-Emilion ganz allgemein als großer Jahrgang. Eine recht späte Lese in der zweiten Oktoberhälfte ergab allerdings nur eine mittlere Erntemenge. Durchgängiges Rubinrot mit zarten Orangereflexen; duftet nach eingelegten Pflaumen, Schwarzkirsche und Brombeere, etwas Weihrauch und Rosine; die Tannine runden sich allmählich, eleganter Körper, sehr feine Struktur, edler Nachhall. Bester Trinkzeitpunkt von 2020 bis 2035, 96 Punkte

Erstabdruck in FINE Das Weinmagazin 3|2014